Zum Inhalt springen

Einbürgerung: Voraussetzungen & Antrag

Niederlassungserlaubnis oder Einbürgerung? Der Vergleich

5 Min. LesezeitRead this guide in English

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Niederlassungserlaubnis ist ein unbefristeter Aufenthaltstitel – du bleibst aber Ausländerin oder Ausländer mit deinem bisherigen Pass.
  • Mit der Einbürgerung darfst du bei Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlen wählen, lebst frei in der ganzen EU und bekommst einen deutschen Pass.
  • Die Niederlassungserlaubnis kann bei längeren Auslandsaufenthalten erlöschen; die deutsche Staatsangehörigkeit nicht.
  • Seit dem 27. Juni 2024 musst du für die Einbürgerung deine alte Staatsangehörigkeit nicht mehr aufgeben – ob du sie behältst, entscheidet dein Herkunftsland.
  • Für die Einbürgerung brauchst du nicht zwingend vorher eine Niederlassungserlaubnis.

Die Niederlassungserlaubnis gibt dir ein unbefristetes Aufenthaltsrecht in Deutschland – du bleibst aber Ausländerin oder Ausländer. Mit der Einbürgerung wirst du deutsche Staatsbürgerin oder deutscher Staatsbürger: Du darfst bei allen Wahlen abstimmen, bekommst einen deutschen Pass, kannst in der ganzen EU leben und arbeiten und brauchst keinen Aufenthaltstitel mehr, der erlöschen könnte. Seit dem 27. Juni 2024 verlangt Deutschland dafür nicht mehr, dass du deine bisherige Staatsangehörigkeit aufgibst. Für viele fällt damit der wichtigste Grund weg, bei der Niederlassungserlaubnis zu bleiben.

Was ist der Unterschied?

Die Niederlassungserlaubnis ist ein Aufenthaltstitel nach dem Aufenthaltsgesetz (§ 9 AufenthG). Sie ist unbefristet und erlaubt dir, in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Zuständig ist die Ausländerbehörde. Ähnlich ist die Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EU. In beiden Fällen behältst du deine Staatsangehörigkeit und reist mit deinem bisherigen Pass.

Die Einbürgerung macht dich zur deutschen Staatsangehörigen oder zum deutschen Staatsangehörigen. Zuständig ist die Einbürgerungsbehörde (Staatsangehörigkeitsbehörde). Danach brauchst du keinen Aufenthaltstitel mehr, sondern einen deutschen Personalausweis oder Reisepass.

Beides schließt sich nicht aus. Viele gehen den Weg über die Niederlassungserlaubnis zur Einbürgerung. Nötig ist das aber nicht: Für die Einbürgerung reicht auch zum Beispiel eine Blaue Karte EU oder eine andere Aufenthaltserlaubnis, die zu einem Daueraufenthalt führen kann. Nur bestimmte befristete Titel sind ausgeschlossen.

Rechte im Vergleich

NiederlassungserlaubnisDeutsche Staatsangehörigkeit
In Deutschland leben und arbeitenja, unbefristetja
Bundestags- und Landtagswahlenneinja
Kommunalwahlennein (nur für Deutsche und EU-Bürger)ja
In anderen EU-Ländern leben und arbeitennicht ohne Weiteresja, EU-Freizügigkeit
Passin der Regel Pass deines Herkunftslandesdeutscher Reisepass
Hilfe im Auslanddurch dein Herkunftslandkonsularischer Schutz durch Deutschland
Aufenthaltsrechtkann erlöschen, Ausweisung möglichkein Aufenthaltstitel nötig, keine Ausweisung
Beamtenstatusnur in Ausnahmefällenja

Mit dem deutschen Pass bekommst du auch die sogenannten Deutschengrundrechte, etwa Versammlungs- und Berufsfreiheit, die das Grundgesetz ausdrücklich Deutschen garantiert. Dazu kommen Pflichten: Deutsche müssen zum Beispiel das Ehrenamt als Wahlhelferin oder Wahlhelfer übernehmen, wenn sie dazu aufgefordert werden (Frage 282). Wie das Wählen funktioniert, erklärt Wahlen in Deutschland.

Reisen und Leben im Ausland

Mit der Niederlassungserlaubnis reist du mit dem Pass deines Herkunftslandes. Ob du ein Visum brauchst, hängt von deiner Staatsangehörigkeit ab. Kurze Reisen in andere Schengen-Staaten sind mit deutschem Aufenthaltstitel möglich, aber dort leben oder arbeiten darfst du nicht einfach so. Die Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EU kann einen Umzug in ein anderes EU-Land unter Bedingungen erleichtern. Mit dem deutschen Pass reist du in viele Länder der Welt ohne Visum und kannst dich in jedem EU-Land niederlassen.

Der größte praktische Unterschied betrifft längere Zeiten im Ausland. Die Niederlassungserlaubnis kann bei längeren Auslandsaufenthalten erlöschen, zum Beispiel wenn du nicht nur vorübergehend ausreist oder länger als sechs Monate im Ausland bleibst, ohne dass die Ausländerbehörde eine längere Frist bestimmt hat (§ 51 AufenthG). Für Menschen, die schon sehr lange hier leben, und für Ehepartner von Deutschen gibt es Ausnahmen. Planst du einen längeren Aufenthalt im Ausland – etwa für ein Studium oder um Angehörige zu pflegen –, sprich vorher mit der Ausländerbehörde.

Die deutsche Staatsangehörigkeit verlierst du dagegen nicht, wenn du ins Ausland ziehst. Seit dem 27. Juni 2024 verlieren Deutsche sie auch nicht mehr, wenn sie eine andere Staatsangehörigkeit annehmen. Verlieren kannst du sie nur in wenigen, gesetzlich geregelten Ausnahmefällen – etwa wenn die Einbürgerung durch Täuschung erschlichen wurde.

Die Voraussetzungen nebeneinander

NiederlassungserlaubnisEinbürgerung
Aufenthaltin der Regel mehrere Jahre mit Aufenthaltserlaubnis5 Jahre
DeutschDeutschkenntnisse (je nach Weg unterschiedlich)B1
WissenGrundkenntnisse der Rechts- und GesellschaftsordnungEinbürgerungstest (17 von 33)
Rentenbeiträgein der Regel janicht ausdrücklich verlangt
Lebensunterhaltgesichertgesichert, ohne Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) oder Sozialhilfe
Bekenntnis zum Grundgesetzneinja
BehördeAusländerbehördeEinbürgerungsbehörde

Hast du bereits eine Niederlassungserlaubnis, ist der Schritt zur Einbürgerung oft kleiner, als du denkst: Aufenthalt, Einkommen und Deutschkenntnisse hast du schon einmal nachgewiesen. Neu sind meist das B1-Zertifikat (falls du es noch nicht hast), der Einbürgerungstest und das Bekenntnis. Den kompletten Überblick findest du in Voraussetzungen der Einbürgerung.

Kosten

Die Einbürgerung kostet 255 Euro pro Erwachsenen, für miteingebürgerte Kinder ohne eigenes Einkommen 51 Euro. Dazu kommen 25 Euro pro Versuch für den Einbürgerungstest sowie die Sprachprüfung, deren Preis vom Anbieter abhängt. Nach der Einbürgerung brauchst du einen Personalausweis (ab 24 Jahren 46 Euro) oder Reisepass (ab 24 Jahren 70 Euro). Auch für die Niederlassungserlaubnis verlangt die Ausländerbehörde eine Gebühr. Alle Einbürgerungskosten im Detail: Was kostet die Einbürgerung?

Doppelte Staatsangehörigkeit: Warum heute weniger dagegen spricht

Bis Mitte 2024 musste man für die Einbürgerung meist die alte Staatsangehörigkeit aufgeben. Für viele war die Niederlassungserlaubnis deshalb die bessere Wahl. Seit dem 27. Juni 2024 akzeptiert Deutschland Mehrstaatigkeit generell. Ob du deine bisherige Staatsangehörigkeit behältst, entscheidet aber dein Herkunftsland: Manche Staaten entziehen sie bei der Annahme einer anderen oder verlangen eine Genehmigung. Klär das vor dem Antrag mit der Botschaft. Mehr dazu: Doppelte Staatsbürgerschaft in Deutschland.

Für wen lohnt sich was?

Deine SituationEher sinnvoll
Du willst bei Bundestags- und Landtagswahlen mitbestimmenEinbürgerung
Du willst vielleicht in einem anderen EU-Land leben oder arbeitenEinbürgerung
Du planst längere Zeit im AuslandEinbürgerung, weil die Niederlassungserlaubnis erlöschen kann
Mit deinem Pass brauchst du für viele Reisen ein VisumEinbürgerung
Du willst in den Staatsdienst oder verbeamtet werdenEinbürgerung
Dein Herkunftsland entzieht dir bei der Einbürgerung die Staatsangehörigkeit, und du willst sie unbedingt behaltenvorerst Niederlassungserlaubnis
Du lebst noch keine 5 Jahre hier, erfüllst aber die Bedingungen für eine NiederlassungserlaubnisNiederlassungserlaubnis als Zwischenschritt
Du bist EU-BürgerKeine Niederlassungserlaubnis nötig – siehe Einbürgerung für EU-Bürger

Häufige Fragen

Darf ich mit Niederlassungserlaubnis wählen?

Nein. Bundestags- und Landtagswahlen sind Deutschen vorbehalten, bei Kommunalwahlen dürfen zusätzlich nur EU-Bürger wählen. Wählen kannst du erst nach der Einbürgerung.

Brauche ich eine Niederlassungserlaubnis, um mich einbürgern zu lassen?

Nein. Auch eine Blaue Karte EU oder eine andere Aufenthaltserlaubnis, die zu einem Daueraufenthalt führen kann, reicht. Nur bestimmte befristete Titel sind ausgeschlossen – frag im Zweifel deine Einbürgerungsbehörde.

Kann ich meine Niederlassungserlaubnis verlieren?

Ja, zum Beispiel bei längeren Aufenthalten im Ausland oder nach einer Ausweisung wegen schwerer Straftaten. Sprich vor einem längeren Auslandsaufenthalt mit der Ausländerbehörde.

Was ist besser: Niederlassungserlaubnis oder deutscher Pass?

Die Staatsangehörigkeit gibt dir deutlich mehr Rechte: Wahlrecht, EU-Freizügigkeit und einen Status, der auch bei langen Auslandsaufenthalten nicht erlischt. Da du deinen alten Pass seit 2024 meist behalten darfst, spricht für die meisten, die die Voraussetzungen erfüllen, viel für die Einbürgerung.

Quellen

Wir stützen uns auf amtliche Quellen. Maßgeblich sind immer die aktuellen Gesetze und die Auskunft deiner Einbürgerungsbehörde.

Weiterlesen

Alle Ratgeber

Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Gesetze und Verwaltungspraxis können sich ändern; verbindlich ist die Auskunft deiner Einbürgerungsbehörde.